Dalmatiner- und Labradorzucht "VOM KIRBACH" FCI
    Zucht freundlicher Familienhunde   seit 1984

           Gabriele Kadatz  
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 Audiometrie mit AEP kritisch betrachtet - 2. Teil -2005

                                                                             

Genau 2 Jahre ist es jetzt her, daß ich mich im “Dalmatinerkurier 6/2003” zu diesem Thema geäußert habe. Dieser Artikel soll im Dalmatinerkurier 6/2005 erscheinen.( Teil 1  steht auf dieser  Homepage unter "Audiometrie kritisch betrachtet "2003)

Der VDH hat 2004 unter der Androhung, die Dalmatinervereine DVD und DDC auszuschließen, ab August die audiometrische Untersuchung
 durch AEP ( =Akustisch evozierte Potentiale) für alle Dalmatinerwelpen zur “Pflicht” gemacht.

Nun werden 7 Wochen alte Welpen bis zu mehrere hundert Kilometer in Tierarztpraxen transportiert, müssen bis zu 20 Stunden ohne
Nahrung auskommen ( Wegen der “leichten Sedation”, die bei korrekt durchgeführter Untersuchung mit einem modernen Gerät eine Vollnarkose ist) und sind in den Praxen zusätzlich durch mögliche Infektionen gefährdet . Der VDH hat davon abgesehen, eine gleichzeitige
Blutentnahme (für die Forschungsarbeiten von Prof. Distl ) zu erzwingen, die Mehrzahl der Züchter verweigert diese zusätzliche Belastung auch.....
Die Untersuchungskosten betragen zwischen 30 und über 100 Euro pro Welpe- ohne Zeitaufwand und Fahrtkosten - von dieser Summe - mindestens 50 000 Euro (für alle Welpen) jährlich - könnte man ein Tierheim für in Not geratene Dalmatiner unterhalten.....
Im CDF sind in diesem Jahr aus untersuchten Elterntieren taube Welpen gefallen.....

Der für Ende 2004 in Aussicht gestellte Gentest ist nicht in Sicht, wurde aber im Frühjahr 2005 in einem Focusartikel (Heft 11)
(“Gentest für die Katz ”-  mit diesem Titel hat die Autorin unbeabsichtigt den Nagel auf den Kopf getroffen! ) erneut  angekündigt.
Jeder vierte Dalmatiner sei ein - oder beidseitig taub - steht fettgedruckt neben einem Farbfoto mit 4 Dalmatinern .

Immer noch werden die in Deutschland (und Europa) gültigen  Zahlen zur Taubheit vom VDH und Prof Distl negiert.
Im Jahr 2004 waren im DDC 1,38%, im DVD 2,45, % der geborenen Welpen taub und 7,96 bzw. 6,9 % einseitig hörend.
( Diese Zahlen liegen dem VDH, der ja von allen Rassen die jährlichen Zuchtbücher bekommt, vor !)

Ich züchte seit über 20 Jahren, noch nie bin ich von Kaufinteressenten so oft auf die “bei Dalmatinern so häufige Krankheit Taubheit“ angesprochen worden...

Nicht nur , daß die Züchter zu der meiner Meinung mit dem Tierschutzgesetz in Konflikt stehenden Audiometrie mit AEP gezwungen
 werden - nun wird auch noch das Image der Rasse Dalmatiner in Deutschland durch Veröffentlichungen wie im Focus geschädigt.

Wir züchten in Deutschland (bzw.) Europa und haben weder mit den amerikanischen Dalmatiner (seit über 100 Jahren )- etwas zu tun
noch mit den amerikanischen Zahlen

Ich bezweifle auch, daß der angekündigte (schon “patentierte”Gentest ) den amerikanischen Hunden (die ja nach einem anderen Standard gezüchtet werden) viel nützen wird - es ist davon auszugehen, daß von den über 20 beteiligten Genen andere als bei der untersuchten deutschen Population maßgeblich für das Auftreten der Taubheit sind.

Doch nun zum wichtigsten Teil meines Artikels - ich habe mich in beiden letzten Jahren ausführlich mit den Möglichkeiten befaßt,
ein - oder beidseitiges Hören bei Welpen und erwachsenen Hunden ohne AEP durch die Beobachtung des Verhaltens festzustellen.
Durch mein Psychologiestudium an der naturwissenschaftlichen Fakultät habe ich notwendigen methodischen und medizinischen Kenntnisse dazu, und sehe eventuellen Diskussionen gelassen entgegen.

Bei einseitig hörenden Hunden ist das sog. “Richtungshören” ( die Richtung, aus der ein Geräusch kommt, wird durch die zeitliche Differenz, in der der Schall auf die Ohren trifft, lokalisiert ) gestört. Schon ein 6 Wochen alter Welpe (beidseits hörend) erkennt, ob ein Geräusch z.B.
von rechts oder links kommt und wendet den Kopf in diese Richtung.
Durch eine entsprechende Versuchsanordnung kann der Züchter (mit Helfern) mit hoher Sicherheit die einseitig hörenden Welpen herausfinden und die Welpenkäufer entsprechend informieren.
Für erwachsene Hunde habe ich ebenfalls eine Testsituation erprobt, die hervorragend funktioniert (nur kann bei älteren Hunden einseitiges Hören auch durch eine Erkrankung verursacht sein.)

Dieser Verhaltensstest genügt bei sorgfältiger Durchführung den Testkriterien Validität, Objektivität und Reliabilität. (Er wird demnächst auf dieser Homepage ausführlich beschrieben)
Ich hoffe sehr, daß diese tierfreundliche Alternative von den Züchtern angenommen wird und die - je nach Wohnort des Züchters - mit dem Tierschutzgesetz in Konflikt stehende AEP ablösen wird.
Zum Abschluß noch ein klares Wort zu den tierzüchterischen Methoden zur Reduktion der Taubheit:  nicht das “Fahren zur Audiometrie” hilft, sondern die sorgfältige Auswahl der Elterntiere (die Vererber von Taubheit sind seit Jahrzehnten erfaßt und bekannt ) und noch zu diskutierende zuchthygienische Maßnahmen ( z.B. sollte aus Würfen, in denen mehr als ein tauber Welpe gefallen ist, kein Hund zur Zucht verwendet werden ).